Netphen - Deuz


Angezeigte Seite: Markante Persönlichkeiten

Ein Ort lebt von den Bürgern, die Ideen haben, denen, die die Voraussetzungen schaffen und denen, die sie umsetzen. An dem jetzigen Erscheinungsbild haben viele Deuzer mitgewirkt und werden unvergessen mit dem Ort verbunden bleiben. Wir haben das Glück gehabt, das sich die Repräsentanten des Ortes auch stets dem Wohlergehen des Ortes verpflichtet fühlten. Aber ohne das Vertrauen und den Rückhalt in der Bevölkerung wäre ihre Amtszeit nur von statistischem Wert gewesen.

Liste der Bürgermeister:

Bürgermeister
1821 Johannes Siebel  
1828 Johann Georg Fick  
1834 Johann Heinr. Müller III.  
1838 Johannes Flender  
1842 Johannes Siebel  
1848 Johann Heinr. Müller III.  
1851 Johann H. Otto  
1857 Wilhelm Schneider  
1858 Eckard Stötzel  
1870 Heinrich Flender  
1881 Heinrich Otto  
1907 Johann Otto  
1913 Heinrich Schöler  
1933 Rudolf Schmick  
1945 Wilhelm Braach  
1946 Walter Klein  
1961 Wilhelm Reuter  
Gemeindedirektoren
1961 Karl Jochum  
1967 Ernst Kämpfer  
Ortsvorsteher
1969 Ernst Kämpfer  
1989 Helmut Buttler  
2003 Dr. Herbert Kneppe  
2004 Udo Siebel  
2009  Dr. Herbert Kneppe  

 


Neben den Repräsentanten des Ortes gab es aber auch einige Persönlichkeiten, ohne die Deuz heute nicht das wäre, was es ist.


 Dr. Tony Riecke

Ärztin für Allgemeinmedizin. Bis 1985 war Sie im Dienst und versorgte Deuz, Grissenbach, Salchendorf und weitere Nachbar-Orte mit allen ärztlichen Diensten.

Der Gedenkstein stand bis 2016 am Industriedenkmal "Deuzer Rad". Seit 2017 ist das Denkmal links von der Werthe am Deuzer Bahnhof zu finden.  Foto: Wilfried Lerchstein

 

Kurzbericht von Wilfried Lerchstein

"Dr. Tony Riecke, eine Deuzer Landärztin von echtem Schrot und Korn"

Mittlerweile ist es zu einem gesellschaftlichen Problem geworden, auch zukünftig die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen. Die inzwischen ernsthaft propagierte Einrichtung eines Medizin-Studiengangs an der Universität Siegen wäre gewiss dabei hilfreich, dem Mediziner-Nachwuchs einen beruflichen Einstieg in eine Landarztpraxis schmackhaft zu machen.

Eine solche Entscheidung, die sie in über 50 Berufsjahren nicht bereut hat, traf Dr. med. Tony Riecke, als sie am 21. September 1935 nach Deuz umzog. Sie wurde als Antonie Wilhelmine Menne am 21. Oktober 1907 in Essen geboren. Ihre Eltern waren der Regierungsvermessungsrat Johannes Menne (* 3. Mai 1873 in Hohenwepel, Kreis Höxter; † 3. Dezember 1961 in Meschede), ein begeisterter Jäger, und Luise Therese Walburga Menne, geb. Scholand (* 30. April 1878 in Meschede; † 2. März 1969 daselbst), beide römisch-katholischen Glaubens.

Dr. Rieckes Großvater mütterlicherseits war der Sanitätsrat Dr. Emil Scholand (* 21. August 1848 in Oberalme, Kreis Brilon; † 26. Mai 1934 in Meschede). Nach seinem Studium hatte Dr. Scholand sich 1876 für die folgenden 52 Jahre in Meschede als praktischer Arzt niedergelassen. Als Arzt des Mescheder Krankenhauses wirkte er mit bedeutendem Erfolg. Seine Patienten schätzten ihn als hervorragenden Arzt, auch wenn er als Grobian bekannt war und sie bei seinen Behandlungen oft leiden mussten. Der verdiente Kreisarzt ist seit 1926 der zweite Mescheder Ehrenbürger, nach dem noch heute die Emil-Scholand-Straße in Meschede benannt ist. In seinem Haus an der Ecke Zeughausstraße und Beringhauser Straße verbrachte seine Enkelin den größten Teil ihrer Kindheit.
Ihr Großvater hatte als Vorbild maßgeblich zu ihrer Berufswahl mit beigetragen.

Ihr Medizinstudium begann Dr. Riecke in Bonn. Nach bestandenem Physikum studierte sie zunächst in Königsberg und danach an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf. Im Kreislauflabor von Prof. Siegfried J. Thannhauser begann sie ihre Doktorarbeit über das Thema „Minutenvolumen beim Herzblock“ und war hierfür im Labor von Prof. Ernst Edens tätig. Da sie durch Privatunterricht eine Schulklasse übersprungen hatte, legte sie bereits mit 23 Jahren am 5. Juni 1931 in Düsseldorf ihr Staatsexamen ab.

Nach ihrer Zeit als Assistentin an der Berliner Charité heiratete sie den Kinderarzt Werner Riecke. Gemeinsam lebten beide 1934/35 in Berlin-Steglitz in der Lauenburger Str. 10. Die Ehe hatte nicht lange Bestand und blieb kinderlos.

Zuerst bemühte Dr. Riecke sich in Berlin um eine Kassenarztpraxis, musste aber zunächst noch ein halbes Jahr lang einem Landarzt assistieren. Sie erhielt eine Stelle und sammelte nun Erfahrungen in Chirurgie, Geburtshilfe, im Röntgen und in anderen Fächern. Dabei durfte sie auch Praxisvertretungen im oberen Sauerland übernehmen.

In dem 1920 von der Gemeinde Deuz erbauten Haus Nr. 111 (heute Herborner Str. 2) wohnte und praktizierte seit 1921 als erster Deuzer Landarzt überhaupt Dr. med. Ernst Pressel (1890 - 1938). Dr. Riecke übernahm 1935 seine Arztpraxis im Erdgeschoss des Hauses. Im ersten Obergeschoss wohnte sie selbst kostengünstig zur Miete. Seit 1937 wohnte zwei Jahrzehnte lang im Dachgeschoss des Hauses die Hebamme Berta Stein. „Tante Berta“ ließ die viel jüngere Ärztin oft erst dann als Geburtshelferin herbeiholen, wenn es wirklich nicht mehr anders ging. Zeitzeugen berichten von Hausgeburten, bei denen das Kind schon blau angelaufen war, als die fast zu spät herbeigerufene Ärztin es auf die Welt holte.

Gleich zwei am 19. bzw. 23. Oktober 1935 geborene Frauen, heute wohnhaft in Grissenbach und Deuz, nehmen voller Stolz für sich in Anspruch, das erste Kind zu sein, das Dr. Riecke auf die Welt geholt habe. Die Grissenbacherin verweist darauf, 4 Tage älter zu sein als die andere Dame. Diese behauptet dagegen, bei dem früher geborenen Mädchen habe die Hebamme zur Familie gehört und Dr. Riecke habe dieser während der Geburt doch nur assistiert. In manchen Familien hat Dr. Riecke in ihrer mehr als 50-jährigen Landarzttätigkeit in drei Generationen dem Familiennachwuchs auf die Welt geholfen.

Nicht nur die männlichen Dorfbewohner begegneten der jungen Ärztin zunächst mit Skepsis, wenn nicht gar mit Ablehnung. Nach und nach verschaffte sie sich jedoch den nötigen Respekt auch bei den Männern, die sie „sonntagnachts nach den üblichen Bierschlachten zusammenflicken musste.“

Aus Überzeugung trat Dr. Riecke 1933 als Mitglied Nr. 3.902.800 in die NSDAP ein und gehörte seit 1935 dem Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebund (NSDÄB) an. Sie war seit 1937 in Deuz die Ortsleiterin der NS-Frauenschaft und seit 1938 Untergaugruppenführerin im Bund Deutscher Mädel (BDM). Während des 2. Weltkriegs war sie die verantwortliche Ärztin für die Kriegsgefangenen und zivilen Zwangsarbeitskräfte in verschiedenen Betrieben (u. a. Siegas in Rudersdorf und Walzengießerei Hermann Irle in Deuz). 1947 erfolgte ihre Entnazifizierung in der geringst belasteten Kategorie „Mitläuferin“, zunächst mit und 1948 dann ohne Vermögenssperre.

Über diese Zeit berichtete sie: “Als einziges, stets vorhandenes Vitaminmittel benutzte ich Wiesenkraut und Kartoffelpresssaft, vor allem in den Gefangenenlagern. Kein kriegsgefangenes Kind hatte ernsthafte Gesundheitsstörungen.“ Eine aus Salchendorf stammende Frau erinnerte sich daran, dass Dr. Riecke ihre Mutter um Essen für die Zwangsarbeiterkinder gebeten und auch etwas erhalten hat.

Anfangs war Dr. Riecke als einzige ansässige Landärztin für das gesamte obere Sieg- und Werthetal sowie den Lahnhof zuständig. Ab 1940 kümmerte sie sich zusätzlich auch noch um die zum Amt Netphen gehörenden Orte im Weißtal von Gernsdorf bis Anzhausen. Da auch die anderen männlichen Nachbarkollegen einer nach dem anderen zum Militärdienst eingezogen wurden, war sie schließlich in einem Umkreis von 30 km die einzige Ärztin. Während des Zweiten Weltkriegs musste sie immer mehr improvisieren. Es gab kaum noch Verbandszeug, Desinfektionsmittel, Medikamente, Betäubungs- und Wehenmittel. Sie wanderte damals tagelang von Dorf zu Dorf, bis wieder einmal alle Patienten besucht waren.

Im Winter fuhr Dr. Riecke, insbesondere in den Jahren der Benzinrationierung, oft mit Skiern bis zum Forsthaus Hohenroth, zum Lahnhof, nach Hainchen oder nach Werthenbach zum Hausbesuch, wenn es nicht anders ging. Es ist überliefert, dass sie sich, um keine Zeit zu verlieren, nach einem nächtlichen Anruf wegen eines akut erkrankten Patienten zwar mit Jacke, aber noch im Nachthemd und mit Gummistiefeln, auf den Weg zum Hausbesuch machte.

Die Amerikaner halfen Dr. Riecke in den Wochen nach ihrem Einmarsch in Deuz (Ostern 1945) in großzügiger Weise mit Medikamenten. Ihre Militärärzte berieten sie sogar in speziellen Fällen. In dieser Zeit häuften sich die Infektionskrankheiten, besonders die Diphtherie.

Im Jahr 1953 gehörte Dr. Riecke dem Vorstand des Ärztevereins Siegerland an. Mit Beginn des Wirtschaftswunders und infolge der bei steigenden Einkommen nun aufkommenden „Fresswelle“ wandelte sich das Krankheitsbild der Patienten. Ein aus ihrer Sicht erschütterndes Bild bot sich ihr in den 1960er Jahren. Für den schweren Dienst in der Feuerwehr musste sie Männer ab 20 Jahre gründlich untersuchen. „Der Befund entsetzte mich: Übergewicht, untrainierter Kreislauf, die Unfähigkeit, 30mal die Knie zu beugen, da sie überhaupt nicht wussten, was eine Kniebeuge war. Sport: nicht gefragt, nur Autofahren!“, lautete ihr niederschmetterndes Urteil. Das Ergebnis war derart schlecht, dass sie den Kreisarzt anrief, um zu fragen, ob sie etwa drei von vier Kandidaten allein schon wegen mangelhafter Kreislaufverhältnisse zurückstellen sollte. „Nein“, war die Antwort, „sonst haben wir keinen Nachwuchs mehr; solange das Belastungs-EKG normal ist, soll man sie einstellen!“

Tag und Nacht, am Wochenende und an Feiertagen war Dr. Riecke für ihre Patienten da. Sie wird von ihnen als rau, aber herzlich, als robust, forsch, leicht aufbrausend, oft ungeduldig und überhaupt nicht zimperlich beschrieben. Spritzen bekamen ihre Patienten in das jeweilige Körperteil regelrecht hineingerammt. Als sich ein Patient anschließend darüber beschwerte, sich wie beim Tierarzt vorzukommen, entgegnete sie nur „Hab dich nicht so!“ Einmal erschien eine Lehrerin mit einem Schüler in der Praxis, der bei einem Sturz eine aufgeplatzte Augenbraue davongetragen hatte. Die Lehrerin musste den Jungen fixieren, dessen Wunde dann ohne Betäubung genäht wurde. Sie mochte keine wehleidigen Patienten und erst recht keine Simulanten. Mit den Worten „Du bist nicht krank. Geh arbeiten!“ verweigerte sie des öfteren den begehrten Krankenschein. Ging es ihr zu langsam, bis ein Patient für eine Untersuchung die Hose herunter gelassen hatte, legte sie auch schon mal selbst mit Hand an, um die Prozedur zu beschleunigen. Einmal rief sie einem Patienten, der gerade ihr Sprechzimmer in Richtung des gut gefüllten Wartezimmers verließ, bei geöffneter Tür hinterher: „Wenn du das nächste Mal kommst, hast du dir gefälligst vorher den Hintern ordentlich gewaschen!“ Dass sie die meisten ihrer langjährigen Patienten duzte, war für sie selbstverständlich. Öfters flog bei Dr. Riecke das Telefon an die Wand und musste dann umgehend von der Deutschen Bundespost ersetzt werden. Sie konnte auch vor Wut explodieren, wenn sie z. B. am Samstagabend von ihrem geliebten Hochsitz geholt wurde, um dann festzustellen, dass der Notfallpatient schon die ganze Woche lang über Bauchschmerzen geklagt hatte, ohne während der Sprechstundenzeiten ihre ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Für ihre fast immer zutreffenden Diagnosen wurde sie von ihren Patienten und Ärztekollegen gleichermaßen geschätzt. Wusste sie wirklich einmal nicht weiter, erfolgte umgehend die Überweisung an einen Facharzt oder ins Krankenhaus. Einmal erschien ein von ihr nach Siegen ins Krankenhaus überwiesener Patient kurz darauf wieder in ihrer Praxis. Er hielt ihre Überweisung in der Hand und erklärte, man habe ihn wieder zurückgeschickt, weil man ihre Handschrift nicht habe entziffern können. Daraufhin rief Dr. Riecke ihre Mitarbeiterin Margot Klein aus dem Labor zu sich ins Sprechzimmer. Diese musste anschließend den Text der Überweisung vorlesen, was auch gelang, da sie ja an die Handschrift der Ärztin gewöhnt war. Daraufhin schimpfte Dr. Riecke: „Jeder Idiot bei mir kann das lesen. Nur die im Krankenhaus können das nicht“.

Zu einem guten Start in den neuen Tag gehörte es für sie, morgens eine Zigarre oder eine Pfeife zu rauchen. Sie legte Wert auf einen für ihre Augen schön arrangierten Frühstücksteller, liebte gutes Essen und zum Feierabend oder am Wochenende gönnte sie sich gerne ein Glas Wein und las ein gutes Buch. Sie traf sich auch privat viele Jahre lang reihum zum Essen mit bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus dem Netpherland. Als Gastgeberin legte sie dabei immer Wert auf eine gut-bürgerliche Küche.

Auch ihre Hunde liebte Dr. Riecke über alles. Starb ein Hund, trauerte sie so sehr, dass sie für ihn einen kleinen Gedenkstein hinter dem Haus aufstellte. Ihr Rauhaardackel ruhte tagsüber oft im Sprechzimmer ihrer Arztpraxis unten im Schrank und saß auch bei den Fahrten zu ihren Hausbesuchen mit im Auto. Dr. Riecke hatte eine Vorliebe für Sportwagen vom BMW 328 über einen VW Karmann Ghia bis zum grünen Porsche 911, mit dessen Hupe sie bei ihrer forschen Fahrweise auf den Dorfstraßen für freie Fahrt sorgte.

Mit seinen vielen Jagdtrophäen und dem Gewehr an der Wand glich das Wohnzimmer der begeisterten Jägerin eher einem Jagdzimmer. Besonders stolz war Dr. Riecke auf einen im damaligen Jugoslawien geschossenen Auerhahn. Als sie mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden sollte, hat sie dies abgelehnt mit den Worten „Gebt mir statt dessen lieber einen 1A-Hirsch zum Abschuss frei“. Schon früh trat Dr. Riecke dem 1952 gegründeten Schützenverein Deuz bei. 1954 wählte Schützenkönig Josef Frevel sie zur ersten Deuzer Schützenkönigin. Entsprechend verfuhr 1958 der Deuzer Schützenkönig Siegfried Lüdke. 1974 wurde Dr. Riecke selbst Schützenkönigin in Deuz, nachdem es ihr gelungen war, den Vogel von der Stange zu schießen.

Sie spielte gerne Skat und feierte auch oft und gerne in Salchendorf bei „Horbes“, dem „Gasthof zum Johannland“. Sie freute sich stets auf die Konzerte der Musikkapelle Salchendorf, der sie 1976 bei „Horbes“ ein Wildessen spendierte. Mit einem von dem Salchendorfer Theo Sting extra für sie geschnitzten Holzlöffel schöpfte sie dort den anderen Gästen die Schaumkrone von den Biergläsern. Durch ihre Einladung zu diesem Wildessen erfüllte Dr. Riecke bereits zu Lebzeiten ihren Teil einer bereits 1974 schriftlich festgehaltenen Vereinbarung, wonach sie dafür, dass die Musikkapelle bei ihrem Heimgang den Marsch `Waidmannsheil´ spielte, ein Wildessen als Leichenschmaus stiftete.

Ende 1985 übernahm Dr. Hans-Joachim Kraemer die Praxis von Dr. Riecke, die ihn in der Folgezeit über alle wichtigen medizinischen Einzelheiten und familiären Hintergründe ihrer Patienten informierte und ihm alles beibrachte, was ein Landarzt aus ihrer Sicht können und wissen musste. Indem sie samstags für ihre langjährigen Patienten die Praxisräume zur Sprechstunde öffnete, war sie auch danach noch so lange für sie da, wie ihre Gesundheit dies zuließ.

Verstorben ist Dr. Riecke am 10. Februar 1989 in ein Alten- und Pflegeheim in Hilchenbach-Helberhausen. In der Todesanzeige ihrer Familie vom 13. Februar 1989 war zu lesen: „Ihre 50jährige Tätigkeit als Landärztin war geprägt von Pflichterfüllung und aufopferungsvoller Arbeit. Ihr Leben stellte sie in den Dienst der ihr anvertrauten Mitmenschen, denen ihr ganzes Herz gehörte. Sie sagte es nicht, aber wem sie half, der spürte es.“ Der Ärzteverein Siegerland e.V. würdigte sie in seiner Todesanzeige mit den Worten: „Bis ins hohe Alter war sie mit Hingabe und Opferbereitschaft als Hausärztin tätig. Vielen Deuzer Familien und Familien der Nachbargemeinden wird ihre Persönlichkeit und manchmal unkonventionelle, aber doch freundschaftliche Art in Erinnerung bleiben. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.“ Am 16. Februar 1989 fand um 15 Uhr in der Deuzer Friedhofskapelle unter großer Teilnahme der Bevölkerung die Trauerfeier statt. Bei dieser Gelegenheit löste die Musikkapelle Salchendorf auch ihre Zusage ein und spielte tatsächlich den von Dr. Riecke so geliebten Marsch „Waidmannsheil“. Ihre Urne wurde in Lüneburg im Grab ihres bereits in 1984 verstorbenen Neffen Harald Hüttenhain beigesetzt, mit dem sie sich besonders gut verstanden hatte. Dieses Grab existiert inzwischen nicht mehr.

Bereits seit 1990 erinnert in Deuz ein Gedenkstein mit einer Bronzetafel an die Ärztin Dr. Riecke. Initiiert und finanziert wurde die Bronzetafel von dem mit Dr. Riecke viele Jahre lang befreundeten Deuzer Dr. Erich von Gumbert. Von der Übergabe an die Deuzer Bürgerschaft berichtete die Siegener Zeitung:

„Landärztin Dr. Tony Riecke lebt für die Deuzer weiter: Zur Erinnerung wurde an der Siegbrücke eine Ehrentafel für sie errichtet. Der ehemalige Ortsvorsteher Ernst Kämpfer charakterisierte die [...] verstorbene Ärztin als manchmal etwas eigenwillig, stets jedoch sehr hilfsbereit. […] Die Landärztin trug von 1935 bis 1987 nicht nur Sorge für das gesundheitliche Wohlergehen ihrer Mitbürger, sie war auch als Vertrauensperson und Ansprechpartnerin für die Probleme ihrer Patienten hoch geschätzt. Ihrer Tierliebe ist es wohl zuzuschreiben, dass sie sogar ab und an Vierbeiner zu kurieren hatte. Gerade den „Alt-Deuzern“ war die patente Landärztin, die auch dem örtlichen Schützenverein angehörte, sehr ans Herz gewachsen.“

Im Herbst 2016 wurde der Gedenkstein an die Zufahrt zum „Bürgerhaus Bahnhof Deuz“ umgesetzt.

Ein von Dr. Riecke 1969 veröffentlichter autobiografischer Aufsatz lässt den Leser spüren, dass in ihrem Leben Beruf und Berufung untrennbar Hand in Hand gingen. Oder um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: „Der Landarzt muss über sein Leben `4 große H´ stellen können: Herz und Härte, Hobby und Humor! Wer dazu nicht imstande ist, der lasse es bleiben; wer das zu beherzigen weiß, der lebt auch heute noch wie ein kleiner König!“

Ob wie im Falle ihres Großvaters in Meschede geschehen, auch in Netphens Stadtteil Deuz einmal eine Straße oder ein Platz nach Dr. Tony Riecke benannt werden wird? Verdient hätte sie es aufgrund ihrer unbestrittenen und herausragenden Verdienste als Landärztin. Es wäre schade, wenn ihre Mitgliedschaft in der NSDAP und mehreren NS-Organisationen einer solchen Ehrung dauerhaft im Wege stehen würde.


Hinweis:
Am Mittwoch, den 17. Mai 2017 veranstalltete Wilfried Lerchstein im Bürgerhaus Grissenbach ein Treffen für interessierte Bürger und hielt einen ausführlichen Vortrag zu diesem Thema: „Dr. Tony Riecke, eine Deuzer Landärztin von echtem Schrot und Korn“ (Einladung vom Vereins „Grissenbach Aktiv e.V.“ bei freiem Eintritt)

Wir danken Wilfried Lerchstein, der auch diesen Kurzbericht verfasste und für die Veröffentlichung auf dieser Webseite freigab.
 


Maler Fritz Kraus

Fritz Kraus wurde 1876 geboren und wohnte in der Kölner Strasse. 1901 heiratete er. Als Maler erstellte er 1935 sein bekanntes Selbstbildnis (siehe links). Auf dem rechten Bild sehen Sie das Bildnis seiner Tochter Anna. 

Hochzeitsfoto Fritz Kraus 1901, li.Fritz u. Minna Kraus, Bruder Heinrich u. Laura Kraus u. Mutter

 

Familie Kraus

Ehepaar Kraus mit 8  Kindern (um 1930)

 Elisabeth, Siegfried, Magdalene, Ruth, Wilhelmine, Herrmann, Anna, Friedrich (Fritz), Fritz, Lothar